Jaguar XF 20d R-Sport im Test: Artenschutz in der Oberen Mittelklasse?

Jaguar hat der Konkurrenz das Leben in der Mittelklasse mit dem XE äußerst schwer gemacht: ein stimmiges Gesamtpaket aus hervorragendem Fahrverhalten, Technik und Verarbeitung auf den Markt gebracht. Schafft es die Marke mit der Raubkatze im Emblem daran auch mit dem neuen Jaguar XF anzuknüpfen um sich gegen BMW 5er, Audi A6 und Mercedes-Benz E-Klasse zu behaupten? MANCVE testet den Jaguar XF 20d R-Sport.

Menschen, die erst seit kurzem mit der Marke Jaguar in Kontakt kamen schwebt oftmals das Imagine des schon jetzt hochgelobten und zukünftigen Klassiker F-TYPE in seiner vollen Pracht und Eleganz vor. Die Ford-Zeiten sind vorbei, die Engländer sind wieder als Luxusmarke etabliert. Das ist genau das Mindset, welches die Ingenieure auch beim XE hatten, auf dessen Plattform bzw. ultraleichter Aluminiumarchitektur der XF aufbaut. Manche kreiden bereits hier an, dass dadurch nur Kosten gespart werden und die nachfolgenden Modelle an Qualität verlieren. Hier muss man allerdings auch klarer kommunizieren, was der Kunde bzw. Interessent nicht sehen kann. Dank der Homologation des Chassis wird eine Gewichtsreduzierung von über 200 kg zum Vorgänger erreicht. Das komplette Fahrzeug kommt dadurch auf eine Gewichtsersparnis von 190 kg gegenüber dem alten Modell und hat 80 % andere Teile verbaut als der XE. Insgesamt steht das Fahrzeug kompakter dar: kürzere Überhänge, ein um 51 mm angewachsener Radstand und die neu entwickelte Hinterachsaufhängung erlauben überragende Kopffreiheit im Fond, wo auch Großgewachsene über 1,90 m noch Platz finden.

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An der Optik hat sich wenig verändert, lediglich Details verbessert wie die neuen abgestuften Scheinwerfer, LED-Rückleuchten mit ein wenig F-TYPE-DNA, die vor allem dank des R-Sport-Pakets gelungen zur Geltung kommen. Die Frontschürze wirkt mit den Jet-ähnlichen Lufteinlässen und dem gigantischen Kühlergrill extrem brutal. Die Splitter betonen den Racelook ebenso wie die seitlichen Luftauslässe, die keine Funktion wahrnehmen, außer sich optisch in das Bild einzuschmiegen. Eine kleine Abrisskante auf dem Heck und die Verblendung rund um die Endrohre wirken stimmig – klare Kaufempfehlung. Doch ist auch die leistungsstärkste Ausbaustufe des 2.0 Diesel so kultiviert wie das Kätzchen verkaufen will?

430 Nm Drehmoment sorgen für Vortrieb – mehr als ausreichend um die ausgewachsene Raubkatze nach vorne pirschen zu lassen. Die Fahrwerksabstimmung und die extreme Verwindungssteifheit sorgen für ein Fahrerlebnis was nur erahnen lässt, wie viel Spaß man mit einem Jaguar XF R-S haben wird. Bei Geschwindigkeiten jenseits der 180 km/h wirkt das Fahrzeug weiterhin unangestrengt und ruhig. Insgesamt generiert der 20d 180 PS und reizt die Uhr bei 229 km/h aus – er ist wie prädestiniert dafür ein Verkaufsschlager bei den Flottenkunden zu werden, schließlich ist auch das 8-Gang-Automatikgetriebe zügig bei der Gangwahl und versemmelt auch keine Schaltzeitpunkte mehr.

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InControl Touch ist das neue Infotainmentsystem mit einem 8″ Touchscreen, welches es auch optional in einer Pro-Version erhältlich ist. Es macht von Aufbau und Funktionen bereits in der Basisversion einen sehr guten, übersichtlichen Eindruck, erinnert allerdings von der Operationsgeschwindigkeit stark an die Trägheit des R-Link. Ärgerlich wird es aber bei der Materialwahl, denn obwohl diese rein visuell einwandfrei ist, abgesehen von der Plastikverkleidung rund um das Lenkrad, stört mich die Haptik. Glattes Plastik in der Mittelkonsole mit daraufgeklebtem Funier, welches leider nicht hochwertig wirkt, schlichte Verkleidung in Aluminiumoptik und Luftauslassdüsen in standardisiertem Design – das gehört sich nicht für das D-Segment. Hier macht es vor allem die Konkurrenz wie die Ingolstädter mit dem Audi A4 deutlich besser. Wohnzimmeratmosphäre vermittelt der Engländer nicht, auch wenn die Ledersitze super bequem sind und ordentlichen Seitenhalt bieten, gilt es hier noch eine Schippe drauf zu legen.

Streng genommen ist hier die Frage was will mein Label bzw. ich als Person ausstrahlen. Geht es mir um Eleganz und jugendlichen Charakter fällt die Wahl für mich auf den XF. Bin ich detailverliebt, will meinen Mitarbeitern noch etwas mehr Wohlfühlcharakter bieten, entscheide ich mich eventuell für ein deutsches Fabrikat. Fakt ist, der Jaguar will auffallen und überzeugt alleine schon im Stand. Es ist noch immer so, dass sich Leute umdrehen, wenn sie das Fahrzeug sehen und das ist mir deutlich mehr wert als vergnügt an einem bis in das kleinste Detail designten Temperaturregler herum zu spielen.

Die Preise starten ab 41.350 € für die Einstiegsvariante „PURE“ mit dem 163 PS Diesel.

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