Lexus RC F: Wie man aus der Konkurrenz Sushi macht

Von wegen zurückhaltend. Der Lexus RC F stellt mit seinem Auftreten alle japanischen Stereotypen auf den Kopf, lediglich mit Präzision und der gelobten Handarbeit nimmt er Vorlieb. Schüchtern – das können heutzutage viele Sportwagen, meistens reicht ein Knopfdruck auf den Fahrmodus-Schalter oder die Deaktivierung der Klappensteuerung des Auspuffs aus. Wer allerdings einen hochdrehenden 5.0L V8-Sauger unter den Rock des futuristischen Feng-Shui-Dress schmuggelt, der hatte schon gewiss im Sinn, dass dieses Fahrzeug von Petrolheads bewegt werden wird. Nicht vom Schnösel, der sein Statussymbol sowieso unter 3.500 U/min fährt, damit nicht unnötig die Wartungskosten in die Höhe schießen. Es müsst eine Bundesbildungskampagne geben, denn dafür wird ein Sportwagen nicht gebaut. Dann lieber eine spitze Zielgruppe mit Kunden, die wissen, wie das Produkt verwendet wird.

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Konichiwa, bitches!

Technische Daten Lexus RC F

Bauart: V8-Ottomotor
Hubraum: 4969 cm³
Leistung: 351 kW (477 PS)bei 7100/min
Max. Drehmoment: 530 Nm
bei 4800/min
0 – 100 km/h: 4,5 s
Vmax: 270 km/h


Ich zieh den Hut vor den Ingenieure von Lexus. Wer in Zeiten von Downsizing und Turboladern noch immer auf klassische Noten setzt, der hat bereits mein Herz gewonnen. Nicht nur ich sitze mit dem breitesten Grinsen seit langem hinterm Steuer während die Nadel unaufhörlich, immer und immer wieder das Drehzahlband erklimmt, dabei jeweils mit einem kräftigen Durchzucken des kompletten Getriebestrangs und der Fahrzeugkabine jeden einzelnen Schaltvorgang wie ein wütender Stier bestätigt. Bei 286 km/h ist Sense. Dabei schöpft er noch nicht einmal aus der Reserve. Dem Temporausch verfallen hält Diana das (meiner Meinung nach griffigste Lenkrad auf dem Markt) zwischen den Händen. Fingernägel krallen sich in das sanfte Leder, noch nicht einmal die Selbstgeißelung des Killer in „Illuminati“ veranschaulicht annähernd wie sehr sich die feine Ummantelung dabei weinen würde. Wer steht nicht auf Schmerzen?

Hochdrehzahl V8

Geschaltet wird manuell im Sport S+ Mode mit den schweren Aluminium-Pedals, die nicht nur Wertigkeit sondern dadurch auch Sicherheit vermitteln das Biest scheinbar kontrollieren zu können. Bei etwas über 4.000 U/min werden die Nocken aufgerichtet, die Ventile bleiben länger geöffnet – Atkinson-Zyklus schimpft sich dies bei Toyota, VTEC lässt grüßen – man hört regelrecht wie der sonst sehr neutrale Achtzylinder nun mit aller Kraft sein Lungenvolumen füllt und gleichzeitig aus vier verchromten Endrohren heraus schreit. Understatement geht anders.

Lexus RC F – rote Unterwäsche bringt Glück

Der Renntrimm des edlen Kleids steht ihm gut. Eine perfekte Symbiose aus Innovation, Evolution und „Form follows function“. Ich weiß zum Teufeln nicht wie, entweder hat Lexus richtig Cojones um jegliche Design-Konventionen als einziger Hersteller zu brechen, oder sie beschäftigen ausschließlich Designer aus dem Hause Dolce & Gabbana oder Prada. So geht das und nicht anders. Dass trotz all der Eleganz eine extrem versaute Note im Lexus RC F steckt, macht alles nur aufregender. Beschleunigungsorgien, Downshift-Feiern, Gasstöße – das TÜV-Prüfverfahren des Tourifahrers. „Das ist mindestens genauso gut wie Sex!“, verlässt überzeugt Dianas Lippen während sie sich umdreht und lächelt. So stark, dass ihre Backen zu Platzen drohen. Pure Freude, geboren aus echter Leidenschaft.

Bessere Hardware als deine Playstation

Der Lexus kann viel, hat noch mehr Knöpfe als Funktionen. Dabei ist es völlig unbedeutend, wie das Infotainmentsystem abschneidet. Ja, es ist furchtbar outdated und verspielt – eine Krankheit von Lexus, die es den Japanern schwer macht in diesem Bereich mit den Deutschen gleich zu ziehen, trotzdem bleiben keine Wünsche offen. Es ist eben wie im gut geführten Restaurant: überschaubare Karte, geiles Essen, zuvorkommende Bedienung. Der Lexus RC F konzentriert sich lediglich auf das, was er gut kann. Menschen mit Benzin im Blut Höhenflüge erleben lassen, u. a. dank der technische Raffinesse, welche die Fahrzeugdynamik gewollt fördert.

Elektronisch gesteuertes Sperrdifferenzial an der Hinterachse. Lasst euch das auf der Zunge zergehen! Hier arbeitet kein mechanisches Differenzial oder eine Visco-Lamellen-Kupplung, die das Drehmoment lediglich bis zu einer bestimmten Sperrwirkung steuert, sondern ein elektronisch angesprochener Regler, der bis zu 100 % der Leistung auf ein einziges Rad überträgt. Die Auswirkungen? Ein extrem präzises Fahrverhalten aus dem Zusammenspiel mit dem doch sehr harten Fahrwerk, welches eine innige Beziehung zum Asphalt hält – kein Bock auf Fernbeziehung, lieber kuscheln. Dauerhaft. In Verbindung mit den Michelin PilotSport 4 ein gelungenes Gesamtpackage, welches zum Spielen mit dem 575 PS starken Nipponbomber auffordert. Überragend das früh anstehende Drehmoment, was beachtliche 530 Nm bringt.

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Dopamin auf Knopfdruck

Vier Fahrmodi. Eco ist einer davon. Vergesst das, wer achtet bei einem Hubraum, der euren täglichen Wasserkonsum übersteigt noch auf den Verbrauch?! Seid ihr noch ganz dicht?

  • Normal
    Ich schenke mir eine Erläuterung.
  • Sport S
    Änderung des Motorkennfelds. Besser Gasannahme, schnellere Schaltvorgänge.
  • Sport S+
    Hier wird der Lexus RC F zum Hulk. In unserem Fall ein helles Bordeux-rot, was ihm sichtlich steht. Nichts ist wie vorher. Die ECU ist auf PreWorkout-Booster – Crank, Koffeintabletten, Ritalin. Das eingebaute Antilag-System will die Drehzahl stetig auf über 3.000 U/min halten, ohne Dampf lässt sich schließlich schlecht bügeln. Jede kleinste Veränderung des Pedalwinkels wird mit einer zu 100 % geöffneten Drosselklappe nicht einmal verziehen. Mittlerweile scheinen eure Hände mit der Lenkstange verwurzelt zu sein – ein direkteres Einlenkverhalten könnt ihr euch nur erträumen.

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Vergesst Karaoke und Sake, 98er intravenös!

Ihr wisst also wie der Party-Schalter sich nun schimpft. Bislang war mir nicht bewusst, dass sich 1,9 Tonnen dermaßen selbstbewusst auf dem Dancefloor bewegen können, dabei die Hüfte öffnet und schließt als sei Sexsucht ein normal Zustand. Im Lexus RC F schon. Man darf eben niemals Typen verurteilen oder unterschätzen, schon gar nicht abschrecken lassen. Noch perfider: mit seinem Charakter könnte er der letzte seiner Art sein, denn wer will sich schon mit einem Spritverbrauch von geschmeidigen 16 Litern/100 km zufrieden geben während die Abgasnorm mit dem letzten Buchstaben im Alphabet geratet werden müsste – zum Glück ist bei G bereits Schluss.

Wer will einen Luxus-Sportwagen mit Lexus-Badge? Wer einen Innenraum der so individuell ist, dass er entfremdet? Na, Leute wie du und ich. Menschen, die wissen was sie wollen, die von Andersartigkeit und Einzigartigkeit begeistert sind. Für Menschen, denen Leidenschaft und Details wichtiger sind als Ruf und Status. Kein Wunder, dass kein einziger Lexus RC F aus privater Hand zum Verkauf steht.

Mein Puls kommt runter sobald wir die Zufahrtsstraße zur Insel am See erreichen. Ein Druck auf die Zündung und der Herzschlag normalisiert sich. Ruhe. Zeit Gedanken zu ordnen und alle Eindrücke zu verarbeiten, da man sonst auf der Fahrt zwischen Kurvenscheitelpunkt und Aussicht Multitasking par excellence betreiben muss.

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Fotos: Adrian Bugaj (ab.images) // Bild am See: MANCVE.com

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