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Lotus Exige Sport 380 Test: Speed of Light

Veröffentlicht am

Lotus is back! Nach einigen schweren Jahren schreiben die Briten in 2016 wieder schwarze Zahlen und bauen bessere Autos als je zuvor. Bestes Beispiel hierfür ist die neue Lotus Exige Sport 380. Fahrbericht eines bekennenden Puristen.

Lotus ist ein besonderes Unternehmen, nirgendwo sonst wird Purismus so offen gelebt und der Trend zum Kompromiss bei der Sportwagenentwicklung so gekonnt ignoriert. CEO Jean-Marc Gales spricht am liebsten über sündhaft teure Carbonteile, die an strategisch wichtigen Punkten am Fahrzeug eingesetzt werden um den Schwerpunkt zu senken. Oder über die neu gestalteten Rückleuchten, die 300 Gramm sparen. Während seiner 45-minütigen Präsentation zur neuen Lotus Exige Sport 380 konnte er es gerade noch einrichten, auch einen Satz über das verbesserte Radio zu verlieren. Nicht jedoch ohne darauf hinzuweisen, dass sie darüber eher ungern sprechen, die bei Lotus. Dieser Mann lebt die Philosophie, mit der Colin Chapman die Traditionsfirma 1952 gründete, ist Geschäftsmann und Carguy gleichermaßen. Und das schlägt sich auf die aktuelle Modellpalette nieder. Die Elise bleibt der alten Lotus-Tradition mit kompakten Abmessungen und deutlich unter 1000 kg Leergewicht treu, der Evora 400 markiert das erste Premiumfahrzeug der Marke, während die aktuelle Exige-Generation mit V6-Mittelmotor deutlich voluminöser daherkommt als ihre Ahnen.

Lotus Exige Sport 380: Aerodynamiker

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Dass Volumen nicht gleich Gewicht bedeutet wissen wir, dass die Lotus Exige Sport 380 fast 300 kg leichter ist als ein Porsche Cayman GT4 darf aber trotzdem als Sensation betrachtet werden. Und genau da sind wir beim Punkt, warum dieser Lotus eines der besten Driver’s Cars unserer Zeit ist: 1066 kg Trockengewicht, 380-Kompressor-PS, rein mechanische Lenkung, gefühlsechte Bremse und ein Chassis, das locker auch in einem 200.000 Euro Sportwagen Anklang finden würde. Flics und Splitter an der Font sowie die Luftführung durch die Haube über das Dach erzeugen in Verbindung mit dem neu gestalteten Carbonspoiler am Heck ein Maximum von 140 kg Abtrieb bei Topspeed (286 km/h). Die Optimierungen gegenüber der Exige Sport 350 sind umfangreich und treffen voll ins Schwarze, treiben den Einstiegspreis aber auch auf satte 89.900 Euro. Wer das Track-Paket und die Titan-Abgasanlage ordert, der landet bei über 100.000 Euro – viel für einen Sportler abseits der Norm!

Handmade in Britain

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Schon beim Einsteigen, wenn man sich über die breiten Schweller in die Schalensitze friemelt, wird einem klar, dass das hier nichts aber auch gar nichts mit Mainstream zu tun hat. Der in Handarbeit gefertigte Innenraum überzeugt mit Liebe zum Detail und guter Verarbeitung. Dann wird – typisch Lotus – per Kombination am Schlüssel das Startprozedere zelebriert, bevor schließlich der mittig platzierte 3,5-Liter-Kompressor-V6 unter ohrenbetäubendem Lärm zum Leben erwacht. Die Titan-Abgasanlage aus dem Lotus Evora Sport 410 spart nicht nur Gewicht (-9,2 kg), sie hebt den Sound der ohnehin schon stimmgewaltigen Exige S V6 auch auf ein neues Level. Ein ehrlicher Sound, ein echter Sound und einer, der den Sounddesignern aus Zuffenhausen Schweißperlen auf die Stirn treiben dürfte, angesichts der mehr als schwachen Vorstellung des neuen Vierzylinders im 718 Cayman.

Go, Baby – Go!

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Die Resozialisierung erfolgt per Knopfdruck. Wenn die Klappen der Abgasanlage geschlossen sind, lässt es sich beinahe entspannt über die britischen B-Roads gleiten. Schade nur, dass der herrliche Sound die hohen Abrollgeräusche jetzt nicht mehr übertönt. Die neuen, einstellbaren Nitron-Dämpfer sind zwar straff, lassen die Exige aber auch auf schlechten Straßen unfassbar komfortabel abrollen. Unter anderem ein Verdienst der extrem geringen ungefederten Massen. Neu sind auch einstellbare Eibach-Stabis an Vorder- und Hinterachse. Das Handmoment der servolosen Lenkung ist hervorragend, erfordert allenfalls beim Rangieren starke Arme. Durch die relativ kompakten Abmessungen lässt sich die Lotus Exige Sport 380 auf schmalen Landstraßen präzise platzieren. Allein an der Übersichtlichkeit könnte man noch arbeiten, die leichte Motorabdeckung aus Carbon versperrt die Sicht nach hinten und auch über die Außenspiegel sieht man aufgrund der breiten Lufteinlässe und des Heckflügels relativ wenig von dem, was hinter einem passiert.

Lady in the street but a freak on the track

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Natürlich definiert sich ein Lotus nicht über den Nutzwert, ich möchte hier allerdings einmal eine Lanze für die Briten brechen: die Lotus Exige Sport 380 kann man ohne Probleme auch im Alltag bewegen! Jetzt aber ab auf die Rennstrecke, wo ein Lotus hingehört. Wir lassen es erst einmal langsam angehen, die Strecke ist teilweise feucht und die optionalen Michelin Pilot Sport Cup 2 wollen behutsam auf Temperatur gebracht werden. Zeit also, um die verschiedenen Stufen der Traktionskontrolle zu testen. Touring, Sport, Track und ESP-Off stehen zur Verfügung. Touring erklärt sich von selbst und ist mit seiner totalen Überwachung für sportliches Fahren nur bedingt geeignet, also gleich in Sport. Hier lässt die Exige leichte Heckschwenks zu, unterstützt den Fahrer aber wenn es zu brenzlig wird. Wer Spaß haben will und auf die schnelle Runde pfeift, der wird hier fündig.

Chassis from the gods

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In Track greift die Traktionskontrolle früher ein, ist stets bemüht das optimale Schlupfniveau zu halten, um bei der schnellen Runde zu unterstützen. Jeder, wirklich jeder kann dieses Auto schnell fahren. Die ausgeklügelte Regelelektronik lässt einen auch dann Spaß haben, wenn man nicht Nico oder Rosberg heißt. Und dennoch: einen Lotus musst du ohne Filter erleben, das Auto spüren, ohne Sicherheitsnetz, ohne doppelten Boden, nur du und alles was du zu bieten hast im Zusammenspiel mit einem der besten Chassis aller Zeiten.

Poetry in motion – die offene Schaltmechanik

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Die Rückmeldung über Lenkung und Bremse geht direkt ins Hirn, lässt sich am ehesten als automobiles Äquivalent zum intravenösen Schuss Heroin bezeichnen und ist anno 2016 so wohl nur bei Lotus zu bekommen. Übersteuern kündigt sich frühzeitig an und der Übergang zwischen Haft- und Gleitreibung ist butterweich, untersteuern erntet man nur in den feuchten Haarnadelkurven. Mit jeder Runde steigt das Vertrauen, die Sicherheit, verwächst du mehr mit dem Auto, bremst später, beschleunigst härter und fährst näher ans Limit. Genau das ist es, was einen Sportwagen ausmacht, genau diese Verbindung musst du mit ihm eingehen können, damit der Tanz am Limit zum Tango wird. Mit Zwischengas beim Anbremsen die nächstkleinere Fahrstufe einlegen? Kein Problem, die Pedalerie steht perfekt, die Schaltung ist präzise wie ein Skalpell.

Drehzahlexzesse bis in den Begrenzer

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Und ständig hast du diesen Sound im Ohr, den wohl Besten, den ein V6 je von sich gab, der dich mitreißt und mit jeder Umdrehung mehr in seinen Bann zieht. Dann, wenn du im Tunnel bist, das ESP aus ist, dir der Schweiß auf der Stirn steht, die Fliehkräfte deinen Atem rauben und der Motor in jeder Fahrstufe unaufhaltsam gen 7000 U/min stürmt, gerät alles andere zur Nebensache. Intensiver kannst du Autofahren mit Straßenzulassung kaum erleben! Selbst die mahnende Tankanzeige blendest du im Rausch der Geschwindigkeit gekonnt aus, zumindest bis du – wie der Autor dieses Textes – mit leerem Tank auf der Hauptgeraden liegen bleibst. Dann sitzt du da in deinem Cockpit, komplett durchgeschwitzt, der Puls irgendwo zwischen lebendig wie nie und halb tot, begreifst noch nicht so recht was da gerade passiert ist und kannst dir das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht wischen. So, und nur so muss sich ein Sportwagen anfühlen!

Me, Myself & I – solo ride until I die

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Leider werden Kaufentscheidungen in diesem Segment heutzutage fast ausschließlich nach Image und Außenwirkung getroffen, die PR-Maschine der Premiumhersteller zeigt Wirkung. Ein Lotus ist deshalb aber kein schlechteres Auto als die weltweit angesehenen Produkte von Porsche, Audi & Co. Er ist kein Accessoire für die Flaniermeile, sondern ein Auto für die besonderen Momente zwischen Mensch und Maschine. Oder um es mit den Worten des geschätzten Kollegen Matt Farah zu sagen: „Man kann ein Auto für sich selbst oder für die Leute um einen herum kaufen“. Für Erstere baut Lotus die Exige Sport 380.

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1 Response
  • Andreas Mitteregger
    15.12.2016

    Klingt sehr enthusiastisch, werde vermutlich auch ü 60 schwach und werde mir das Gerät anschaffen,wenn nach V6 S Spass noch gesteigert werden kann

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