Alfa Romeo Giulia Veloce: ein emotionales Comeback in der Mittelklasse?

Alfa Romeo Giulia Veloce. Ein Name wie ein Gedicht – ein Körper mit üppigen Rundungen zum dahinschmelzen. Alfa gelingt mit dem Wurf aus der Feder des ehemaligen Pininfarina-Chefdesigner Lorenzo Ramaciotti an ihr originales Image aus den 60ern anzuknüpfen. Vergessen der Durchhänger in den 2000ern – dieses Auto will man fahren!

Italienisches Temperament

Mit den markanten Spoilern und Seitenschwellern gibt die Alfa Romeo Giulia Veloce nur eine Richtung an: den Weg an die Spitze. Was ihr designtechnisch schon bei diversen Awardverleihungen gelungen ist, versucht sie auch auf der Straße ebenso dominant zu beweisen. 280 PS generiert dabei der 2.0 L Konzern-Motor von Fiat und lässt die Limousine mit einem Wahnsinns-Radstand von 2,8 m innerhalb von 5 Sekunden von 0 auf 100 schnellen. Hut ab… für so‘n Fiat!

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Von wegen Fiat – von wegen schlechte Verarbeitung. Ohne hier durch die Blume zu reden, Alfa Romeo hat es ganz schön krachen lassen. Die Kulisse im Cockpit wirkt aufgeräumt, hochwertig und schmeichelnd. Natürlich gibt es hier keine ausgefallenen Interieur-Dekorleisten wie bei Premiumherstellern, aber die Haptik wie auch Optik lassen meiner Meinung nach keine Wünsche offen, oder was meint ihr?

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Eine Frau mit gewissen Vorzügen

In der Serienausstattung der Veloce sind 18“ Leichtmetallfelgen, der Q4 bezeichnete Allradantrieb, das 8-Gang-Automatikgetriebe, Xenonscheinwerfer, Ledersitze und sportlicher wirkende Stoßfänger, Klimaautomatik, Tempomat, Parksensoren hinten und Edelstahleinstiegsleisten bereits inklusive! Das kann sich sehen lassen.

Das schönste Detail im Innenraum ist zweifelsohne das kompakte Sportlenkrad, welches die ideale Größe aufweist um die Giulia im Galopp zu kontrollieren. Die gewaltigen Aluminium-Schaltpaddles hinter dem Lenkrad machen Freude auf das was folgen soll. Ein Tastendruck auf den Start-Stopp-Knopf links am Lenkrad und der Twin-Scroll-Turbo fängt bereits bei knapp über 1000 U/min an mit zu spulen.

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Alfa Romeo Giulia Veloce

Statt überschwänglichem Selbstbewusstsein gibt sich der Motor überraschend zurückhaltend. Ein purer Gentleman eben. Der Durchzug ist dank 400 Nm ordentlich. Die elektronische Sperre greift bei 240 km/h. Die Schaltvorgänge ohne Zugkraftverlust Bandscheibenschonend. Aber warum eigentlich?

Wir sprechen hier immerhin vom stärksten Benziner unterhalb des Topmodels, der Alfa Romeo Giulia Quadrifoglio. Wer sich vor Augen hält warum die Giulia QV das Kleeblatt verdient hat, der wird schnell zum Entschluss kommen, dass die Giulia Veloce eben doch nur halbgar ist. Kein Sperrdifferenzial, eine zu träge Fahrwerksregelung und eben „nur“ einen hochgezüchteten Benziner aus dem Regal. Trotz überzeugender Argumente fehlen hier aufgrund von kühler Bescheidenheit die Emotionen.

Versteht mich nicht falsch, verpasst der Veloce eine andere Abgasanlage, die nicht nur im unteren Drehzahlband röhrt und eine ordentliche Bremsanlage und das Ding wird sogar auf der Nordschleife für akzeptable BTG-Zeiten sorgen.

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Klartext

Aber aber aber. Ich habe auch einen Grund dafür, warum ich meckere. Denn schließlich ist mein Vater bekennender Alfa Romeo-Fan und fuhr selbst über ein Jahrzehnt lang ausschließlich die Modelle mit der Schlange im Emblem. Unter anderem war er selbst Besitzer der damaligen Giulia, dem Spider (Duetto) und des Alfasut. Als Kind war ich vom Logo gebannt und von dem schlichten, geschickten Design der Fahrzeuge. Und irgendwie habe ich mir erhofft genau diese Emotionen zu verspüren wenn ich nach Jahren wieder in einem Alfa sitze. Vielleicht liegt es auch daran, dass die Veloce als sportlicher Charakter beworben wird.

Macht auch nichts, denn wir streiten hier um den Motor, die Klangkulisse und sonst nichts weiter. Abseits von zu wenig Wrooom, Wrooom ist die Giulia perfekt. Ich sag das nicht häufig, aber diese Limousine hat für mehr steife Nacken beim „Nachstarren“ gesorgt als der Hintern von Kim Kardashian. Im Stehen!

Polarisiert

Keiner spricht die Wahrheit als ich. Betrunken. Quatsch, keiner spricht die Wahrheit besser aus als Kunden, die gerade ihre wartungsintensive Möhre von der Vertragswerkstatt eines anderen Automobilherstellers abholen, wenn man mit der Alfa Romeo Giulia Veloce vorfährt. „Wow ist das das Model mit dem 6-Zylinder? Der sieht ja schon ganz schön bullig aus. Verdammt schick!“ Andere können sich die Giulia als Firmenwagen im Außendienst vorstellen: „Darf ich mal reingucken, der sieht von außen schon so toll aus und das rote Interieur wirkt nicht einmal übertrieben. Stilvoll. Italienisch!“ Ihr seht schon, ich hätte eigentlich direkt Broschüren und Verkaufsformulare im Auto bereithalten sollen um noch eine fette Prämie abzuzwacken.

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Die Alfa Romeo Giulia Veloce ist bewusst anders, strahlt Selbstvertrauen aus und überzeugt auf ganzer Linie. Ich will ganz ehrlich sein, wenn ich die Wahl hätte zwischen einem Mittelklassefahrzeug eines deutschen Herstellers und der Giulia, ich würde mich für die temperamentvolle Italienerin entscheiden. Vielleicht liegt es in den Genen, von ihr, von mir, aber was sie definitiv kann, ist polarisieren. Und welcher Freiberufler im Designbereich oder Außendienstmitarbeiter will nicht gerne in’s Gespräch kommen wenn es um Ästhetik und Geschmack geht. Beides verkauft sich eben gut.

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