Chevrolet Camaro V8 Cabriolet: dressed to impress

Ist er überhaupt noch eine Ponycar-Ikone oder schon längst durch seine Auftritte in Transformers Kult? Den technologischen Fortschritt, für den Bumblebee in den Filmen steht, bringen die Amerikaner mit dem 2016 Chevrolet Camaro V8 Cabriolet endlich auf die Straße. Das Musclecar ist in seiner 6. Generation endgültig in der Gegenwart angekommen. Nicht nur die Optik wurde weiter geschärft, auch die inneren Werte machen das Fahrzeug zur heimlichen Geliebten.

Fangen wir mit dem „Stöhnthema“ überhaupt an. Dem Lenkrad. Weiterhin eine Schande. Wie um Himmelswillen konnte Chevrolet in der EU-Version das beliebte Speichen-Lenkrad der 5. Generation, welches seit dem Facelift fortan für ausgestorben erklärt wurde, noch immer durch ein unscheinbares Austauschen?! Durch so ein hingerotztes Steuerrad, das den ganzen Innenraum zerstört. Moment mal. Das Interieur gehört zum Chevrolet Camaro SS?! Niemals!

Chevrolet Camaro Cabrio 2.0

Chevrolet hat in etwa das gemacht, was heutzutage die meisten Karrieregeilen Menschen tun, die weder Zeit noch Kraft in ihre Beziehung stecken wollen. Sie schmeißen einfach hin. Holen sich was neues. Zugegeben, die Baureihe des Camaros hält in der Regel mehrere Jahre. Der Gigant aus Detroit hat kernsaniert und das nicht zu knapp. Grundlegend hat man sich von allem getrennt, was in irgendeiner Art das Erbe belegen könnte. Bis auf ein kleines Detail. Das Layout der mittlerweile digitalen Messinstrumente und deren Ummantelung ist weiterhin an das Interieur des 1969er Camaro angelehnt. Ein wenig Stolz ist man ja doch schon auf die Herkunft.

Doch wie Buddha schon sagte: „Verweile nicht in der Vergangenheit, träume nicht von der Zukunft. Konzentriere dich auf den gegenwärtigen Moment.“ Man schuf also den Chevrolet Camaro zum sechsten Mal neu und machte alles besser. Soviel besser.

Kann nun auch Interieur

Auch wenn der Chevrolet Camaro mit einer Rumpflänge von 4784 mm ein ordentlicher Straßenkreuzer ist, ist es doch zugleich eines der Fahrzeuge mit dem kleinsten, nutzbaren Innenraum. Wie oben erwähnt: Chevy hat keine Kosten und Mühe gespart, den Innenraum einem funktionellem Wohnzimmer anzugleichen. Viel Leder, ein aufgeräumtes Cockpit, angenehme Haptik und ein Multimediasystem, welches – oh Wunder – funktioniert. Bonuspunkte gibt es für das Mäusekino im Retrodesign!

KonkurrenzLOS

Dies sind aber nicht die inneren Werte, auf die wir euch scharf gemacht haben. Der Chevrolet Camaro V8 bedeutet nämlich eines. Eine direkte Kampfansage an Ford Mustang GT und Dodge Challenger SRT8. Seine Geheimwaffen: Magnetic Ride Control-Fahrwerk und eine Auspuffanlage mit Klappensteuerung. Wer Amerikaner kennt bzw. wer Donald Trumps Regierungsstil analysiert hat, der weiß aber eines; Amerikaner schreiben gerne Regeln vor und sind Kontrollsüchtig. Was das im Klartext für den Chevrolet Camaro bedeutet? Nichts.

Anders als seinen Mitstreitern gegenüber ist der Camaro in den vier Fahrmodi bemerkenswert zahm und einfach zu pilotieren. Deaktiviert man die Elektronik komplett (TC und ESP) weckt man einen Dampfhammer, dem man Grenzen erst einmal aufdiktieren muss. 6,2 l Hubraum sind eine krasse Ansage! Vor allem wenn die daraus resultierenden 617 Nm Drehmoment frei genutzt werden dürfen.

Freies Radikal

Wir haben mehr Gummis verbraucht als eure Ex, die es mit der Treue nicht so genau hielt. Burnouts und Drifts sind Qualitäten, die ein Fahrzeug dieses Kalibers mit Bravur freiwillig abliefern muss. Hingegen sind Trackaffinität wie auch die notwendige Fahrwerksabstimmung bei einem Musclecar so häufig zu finden, wie der verloren gegangene Socken in der Waschmaschine. Schlicht und ergreifend: man rechnet damit nicht.

Fehler macht man. Was man aber niemals tun sollte, ist das Potenzial von einer Sache oder Person zu unterschätzen. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie Ford die Gene des Boss 302 und Dodge die der Hellcat für die Produktion der Basismodelle komplett rezessiv schalten konnte. Ich bin nur froh, dass Chevrolet dies gar nicht erst probierte. Der ZL1 muss DAS Performance Tool überhaupt sein. Der Camaro SS übernimmt das Mindset des Krawallbruders bedingungslos. Was uns ein fettes Grinsen beschert während die Schlappen an der Hinterachse am Scheitelpunkt nach Traktion kläffend das energische Bollern der vierflutigen Abgasanlage mit ein wenig Qualm spektakulär in Szene setzen.

Überrascht mit Charakter

Mit einer Gewichteinsparung von knapp 50 kg gegenüber dem Ford Mustang GT ist es fast schon unwirklich, wie agil der Chevrolet Camaro auf dem Track wirkt. Gelobt sei an diesem Punkt tatsächlich das neue, griffigere Lenkrad, welches sich mehr der Funktionalität als des Aussehens verschrieben hat. Die Vorderachse arbeitet und sie gibt Feedback. Etwas, was wir schlicht für unmöglich hielten. Nicht etwa in Form von Überlastung. Die Kombination aus Querlenkern und Aufhängung lässt euch wissen, wie die 453 PS auf den Lenkwinkel reagieren. Das Heck neigt dazu zackig auszubrechen, bleibt aber stets kontrollierbar. Bemerkenswert ist das straffe Chassis in Verbindung mit dem Bretthart-einstellbaren Flüssigkeitsgefüllten Fahrwerk. Allererste Sahne.

2016 Chevrolet Camaro V8 Cabriolet Bright Yellow Kotflügel 50 Years of Camaro Badge Emblem gelb schwarz matt Rims Parkplatz Asphalt

Günstiger kommt man nicht an Leistung

Wem die Technik bei schlappen 53.950 € (Listenpreis unserer Ausstattung) überhaupt nicht interessiert, was ich sogar bei dem Kampfpreis – Stichwort Blindkauf – nachvollziehen kann, der wird spätestens beim Design seinen Schwellkörper merken. Das Blechkleid ist so maskulin gehalten, dass eine Testosteronhormongabe die Karosse mit einem haarigen Pelz überziehen würde. Sicken und Kanten wo man nur hinschaut. In prallem Sonnenlicht braucht es keine Bühne mehr. Der Chevrolet Camaro ist eine einzige! Krasse Kontraste aus Schatten und Licht, die harte Konturen freilegen.

Böser. Besser.

Das Redesign hat überwältigend viele Lorbeeren geerntet. Nicht zuletzt durch die überaus markante Front trotz angewandtem Minimalismus. Die ausgeprägte Schulterlinie sorgt für einen optischen breiten Body. Unser Highlight: die Konturlinie oberhalb der Seitenschweller und mattierte Felgen. Weniger gut kommen die Rückleuchten an, welche unweigerlich an einen Honda Prelude erinnern. Nicht weiter schlimm. Schließlich sehen nur die anderen Verkehrsteilnehmer den Camaro von hinten.

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Fazit

Man kann mit dem Chevrolet Camaro V8 wirkliche Renn-DNA genießen. Zügig fahren, nennen wir das nicht mehr. Sondern den auf den Pinsel treten. Am Lenkrad arbeiten. Auf das Popometer verlassen. Ihr seid mit dem Teil wirklich unfassbar schnell unterwegs. Auf und abseits der Straße. Vorausgesetzt die Reifen halten bis dahin durch. Die Goodyear-Pneus ab Werk schmieren nämlich ordentlich nach dem 7. Burnout des Tages und dem Missbrauch jeden Kreisverkehrs als Gymkhana-Stage.

Fotos: Adrian Bugaj für MANCVE.com

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2 Comments

  • olschok
    4 Monaten ago

    Yes! …ich freue mich auf den September, wenn das Baby zu mir kommt. Aber pssssst… 😉

  • 4 Monaten ago

    Ein Ami kann doch überraschen. Bei bestem Wetter erlebt. Gerne wieder! 🙂

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