Instagram, Facebook, TV und Magazine. Perfekte Motive gehören zum Alltag und sind allgegenwärtig, wie sie entstehen und welcher Aufwand dahinter steckt wissen aber nur die wenigsten. Wir haben einen der talentiertesten deutschen Automobilfotografen Frederic Schlosser bei einem Shooting für Mercedes-Benz und den Mercedes-AMG GT C Roadster begleitet.

Bereits einige Tage zuvor geht die Arbeit los, eine Linie muss her. Thema, Look und Setting müssen definiert und fixiert werden. Welches Model passt zur Serie und wo kann unabhängig vom unbeständigen deutschen Wetter ungestört geshootet werden?

Licht-Settings abstimmen.

Der Tag vor dem eigentlichen Shoot ist den Motiven geschuldet. Wie fällt das Licht, aus welchen Positionen erzeugen wir einen einheitlichen und spannenden Look. Die 2×2.500W Arri Lichter müssen ständig bewegt werden. Während unser Mann hinter der Kamera Lichteinfall, Reflektionen und Szenerie im Blick behält wird das Setting ständig angepasst bis das Motiv den Vorstellungen entspricht. Kreativität ist hier gefragt, denn auf Anhieb klappt sowas selten. Passt – weiter zum nächsten Spot!

Je nach Location und Setting kann die Umstellung schon gut eine halbe Stunde an Aufwand kosten. Nach 7 Stunden sind alle Motive ermittelt, erste Stills im Kasten und die Roadmap definiert. Bereit für den nächsten Tag. Das eigentliche Shooting mit dem Model.

Für Frederic ist die Arbeit aber noch nicht vorbei. Von der Location an den Rechner, die Bilder sichten und aussortieren. Das Lookbook wird erstellt und mit Moods aus anderen Shootings ergänzt. Extrem Hilfreich für das Model und die Crew. Vor allem hilft es dabei alle Anforderungen abzudecken und sicher zu stellen, dass auch alle Motive abgedeckt werden.

5 Fragen an Frederic Schlosser

  1. Wie gehst du ein Shooting an, wie entsteht die Idee?
    Bei freien Projekten lasse ich mich meist von Filmen oder besonderen Stimmungen im Alltag inspirieren. So entstehen dann erste Ansätze, welche Emotionen ich mit einer neuen Strecke vermitteln möchte. Bei dieser Serie war mir besonders wichtig, dass weder Auto noch Model im Vordergrund stehen. Vielmehr sollte die Stimmung und Emotionen zum Mittelpunkt werden. Sobald die Location steht, schaue ich mir diese ein paar Wochen vorher in Ruhe an um ein Gefühl für die Szenerie zu bekommen. So entstehen dann meist noch weitere Anhaltspunkte, in welche Richtung das Ganze geht. 
  2. Was gehört bei dir in jede Post (Deine 3 häufigsten Tools)?
    So ganz allgemein kann man das nicht wirklich sagen. On top steht aber ganz klar das Color Grading. Die Stimmung kann dadurch – vor allem bei solch lockeren Serien – unglaublich verstärkt werden. Das erfordert viel Rumprobieren. Die grobe Richtung habe ich aber meist schon beim Shooting im Kopf. Die gesamte Strecke wurde nur in Camera RAW entwickelt und bearbeitet. In Photoshop wurden nur kleinere Retuschen gemacht. Selektive Anpassung von Hauttönen, Fahrzeuglack sowie standard Stempel Retuschen an Boden und Hintergrund. 
  3. Lebst du digital, oder liebst auch das Analoge? (Druckerfahrung?)
    Ich lebe digital – wortwörtlich! 😉 Analog habe ich noch nie fotografiert und das Drucken überlasse ich den Profis! 
  4. Was erwartet dich 2018?
    2018 setze ich den Fokus mehr auf emotionale Fotostrecken. Ich möchte, dass man sich meine Bilder anschaut und die Stimmung fühlen kann. Es werden auch deutlich mehr People Arbeiten kommen. 
  5. Welche Tipps würdest du Fotografen an die Hand geben?
    Seiner Leidenschaft nachgehen, seinem Stil treu bleiben. Die eigene Note nicht verlieren, nur weil man denkt, dies oder jenes würde besser ankommen. Und ganz wichtig: Weniger ist manchmal mehr – vor allem in der Bildbearbeitung. Ich versuche seit einigen Monaten auch wieder mehr zu fotografieren, weniger zu bearbeiten. 

Tag 2. Der früher Vogel fängt den Wurm.

Nach einer kurzen Nacht geht es am nächsten Morgen bereits um 9 Uhr los. Visagistin (Uta Angeli) und Model Valerie Struthoff haben bereits 300 km hinter sich. Alltag wenn man in der Branche arbeitet. Währen das Team der Assistenten, bestehend aus Friedemann Hertrampf und Adrian Bugaj, das Setting des Vortag für das erste Motiv vorbereiten wird Backstage der Kleidungsstil und MakeUp besprochen. Eine kurze Stärkung und ab ans Set. Denn von jetzt an wird durch gearbeitet. Von einem Motiv ins nächste.

Planung und Kommunikation sind das A und O.

Wie im Flug vergehen 8 Stunden ohne viel Pausen zum verschnaufen. Schnell ein Brötchen auf die Hand und ein warmer Kaffee zum aufwärmen müssen reichen. Hier trennt sich dann auch die Spreu vom Weizen, Valerie mit etlichen Jahren Shooting Erfahrungen im Kommerziellen Sektor weiss wie man vor der Kamera posiert. Im Sekundentakt des Auslösers werde etliche Posen abgespult bis das richtige Motiv im Kasten ist. Uta hat dabei ständig einen Blick auf das Model ob Haare, Kleidung und Makeup auch nach den anspruchsvollsten Bewegungen noch anständig sitzen. Ein Muss wenn man das Stramme Programm nicht aus den Augen verlieren will. Jeder Handgriff sitzt, mit kurzen Ansagen muss jeder im Team wissen was zu tun ist.

Knapp 2.000 Bilder später ist die Serie im Kasten. So schnell vergehen 2 Shooting-Tage. Doch zu Ende ist die Arbeit hier noch lange nicht. Denn jetzt geht es an die Postproduktion. Sichten, aussortieren und nachbearbeiten ist jetzt angesagt. Je nach Anzahl der Motive gehen hier noch mehrere Tage für drauf. Es ist die persönliche Note eines jeden Künstlers und unterstreicht die Arbeit bis zum fertigen Produkt. Manche geben diese Arbeit ab, aber nicht so Frederic. Für Ihn eine Selbstverständlichkeit legt er selbst Hand an den offenen Daten. Das Ergebnis überzeugt! Das fertige Set des Mercedes-AMG GT C Roadster gibt es auf der Webseite von Frederic Schlosser.

Equipment:
2x Arrivierten je 1.800W
2x Shiny Boards
5x Stative
1x Nebelmaschine
1x Refelktor
Sony Alpha A7R II
24-70/2.8GM

Einstellung:
Meist zwischen 30&50mm
Blende 2,8-4 (variiert nach Setting)
Verschlusszeit 1/40 – 1/200

Software:
Capture One
Photoshop
Virtual Rig Studio