Saisonkennzeichen sind überbewertet. Sommer ist ein Gefühl, genauer gesagt ein Ganzjahresgefühl. Was soll auch der Mercedes-AMG GTS in der Garage überwintern, wenn die ersten Sonnenstrahlen bereits den Schnee schmelzen?! Aufstehen, die Kaffeemaschine vernachlässigen und sich direkt die volle Dröhnung bei Beschleunigungsorgien auf den engen Passstraßen besorgen.

522 PS. 670 Nm. 3,8 s 0 – 100. Gute Inhaltsstoffe.

Zugeben, umgeben von schirr endlos weißer Natur und Bergen der Schweiz, hätte diese Bilderstrecke auch in schwarz weiß gehalten sein. Doch wenn der 522 PS starke V8-Biturbo-Motor nur ein paar Zentimeter vor deinen Füßen nach kühler Alpenluft schnaubt, um jedes einzelne mögliche Newtonmeter Drehmoment zu mobilisieren, bist du wie auf einem Rausch. Die Drehzahl wird jedes mal wieder durch den nahezu kompletten Verlust an Bodenhaftung in den Himmel geschossen während dein Grinsen vor Dopaminausschüttung allmählich bombenfest sitzt. Ich denke wer sich schonmal „Drei Wetter Taft“ in die Fresse gesprüht hat, weiß, wovon ich rede. Gummiabtrieb statt Streuwagen ist die Devise! Eben die etwas andere Ausfahrt mit dem Mercedes-AMG GTS in der Schweiz.

Mercedes-AMG GTS. Making Popcorn pop.

Transaxle-Bauweise sei Dank besticht der Mercedes-Benz AMG GTS durch eine optimale Gewichtsverteilung. Zumindest auf dem Papier und auf trockenem Untergrund. Andernfalls will er dich liebend gerne umbringen. Nahtod-Erfahrungen und ein Leben in instabiler Fahrdynamik in Verbindung mit Querbeschleunigung sind zweifelsohne ein Gute-Laune-Rezept. Wenn du innerhalb von sechs Minuten 1.900 Höhenmeter und eine 12 km lange Bergstraße runterballerst, dann bist du nicht geistig gestört, sondern hast zweifelsohne den richtigen Untersatz. Maßgeblich verantwortlich für den Erfolg des Versatz der Hinterachse vor Kurven ist das optimierte AMG SPEEDSHIFT DCT 7-Gang-Sportgetriebe. Ein Ziehen an den Paddles resultiert zwar nicht mehr in einem Zucken der gesamte Karosserie – dafür wurden bewegliche Teile reduziert und verbliebende eben zu gut gelagert – doch der Sportauspuff bedankt sich über jeden Downshift mit Fehlzündungen, die fast 700 Nm Drehmoment feiern. So macht man schließlich Popcorn im Heck!

Verzögert wird mit Pizzateller-Großen 402 mm x 39 mm Keramikbremsscheiben und den dazu gehörigen 6-Kolben-Festsatteln. Bedenkt man wie agil sich zwar die 1,9 t des Coupés durch die Serpentinen schlängeln, immer wieder freudig den Kurvenausgang mit Powerslides schwänzelnd, darf hier die Bremsanlage nicht zu kurz kommen. Doch die hat es in sich. Auf Temperatur gebracht, schnell halt gemacht. Kein klirren, kein Gesang von Geistern, aber viel wichtiger: nicht die geringste Spur von Fading. Sie packt fest zu, so wie sie (deine Freundin) es mag. Danach wieder das Spiel mit einem erregten Heck.

Chill out!

Dabei ist er viel mehr als nur ein rauer Charakter. Als geschmeidiger Gran Tourer besticht er mit seiner Lounge Atmosphäre im Innenraum. Stilvoll und feinst vernähtes Nappaleder in Einklang mit glattem Aluminium. Automobiles Interieurdesign sah  in der Oberklasse niemals zuvor so gut aus. Nebenbei bügelt das adaptive Magnetic Ride-Fahrwerk jegliche Bodenwellen und Schlaglöcher weg; sicherlich sind die paar tausend Euro hier besser investiert als in ein Boxspringbett.

Mercedes-Benz AMG GT-S designo grey Schnee Holz Felgen Tannen

Stilvoll ablenken.

Wie die unverwüstlicher Natur selbst verschmilzt das Coupé in „designo selenitgrau magno“ mit der atemberaubenden Berglandschaft der Schweiz. Nachdem die Sportlichkeit im Vordergrund stand, heben die 20″ Felgen im Mehrspeichen-Design den Glamour-Faktor hervor. Ganz ehrlich, nur wenige Fahrzeuge schlagen im Stand so eine schöne Silhouette wie der AMG GT-S. Dabei lenkt der Stuttgarter euch sogar von der malerischen Landschaft ab. Kommt, gebt’s zu!

Sportwagen grau Mercedes-Benz Wald Straße Flare

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https://youtu.be/cVF_E64v6Uk

Text: Stefan Maass / Fotos: Adrian Bugaj