Kleine Cafés, der Eiffelturm oder der Louvre. Paris hat viel zu bieten, ob kulturell oder geschichtlich. Mit engen Gassen, Kopfsteinpflaster und Parkplätzen, die als Mangelware gelten, nicht unbedingt das Mekka für Autofahrer. Trotzdem oder vielleicht genau deswegen haben wir uns mit dem neuen Audi RS3 in Mysticblau für einige Tage durch die französische Metropole gequetscht.

Liebe geht durch den Gasfuß

Erst recht wenn der Partner an deiner Seite mit Reizen nicht geizt. Mit breiter Brust, einer schlanken Taille und einem Hinterteil zum verlieben. Verpackt im Mysticblau Perleffekt Lack. Nicht jeder erkennt auf anhieb womit man es hier zu tun hat. So wirkt die kleine kompakte Limousine für die Meisten wie ein normaler Audi A3, überzeugt dann aber schon mit dem Drücken des Startknopfes vom Gegenteil. Wie Phönix aus der Asche schreit das 2.5 Liter Turbo-Aggregat zum Kampf und rotzt durch die verschlafene Idylle der Stadt. Das Revier ist markiert, ohne Wenn und Aber.

Ungewohnt leer und die Bäume kahl vom Winter präsentiert sich die sonst so farbenfrohe Metropole an der Saine Ende Januar. Es ist kalt und bewölkt, aber zum Glück trocken. Wir fühlen uns etwas wie Robert De Niro mit seinem Audi S8 in Ronin als wir nachts auf der Suche nach der nächsten Location durch die Strassen ziehen. Vorbei an historischen Gebäuden wie dem Invalidendom und etlichen Restaurants, gleiten wir über das raue Kopfsteinpflaster der Seitenstraßen. Trotz des Sportfahrwerks und breiten 19 Zoll Alufelgen ist der Audi RS3 erstaunlich gut abgestimmt. Das 4-fach verstellbare Fahrwerk bietet genau das richtige Setup für jede Situation. Um kurz vor 24 Uhr ist aber selbst am üblicherweise überfüllten Place de la Concorde Ruhe einkerkert. Zeit für uns auszusteigen und den Kompakten im Licht der Pariser Gaslampen von außen zu beurteilen.

Audi RS3 Mysticblau: Farbe bekennen

Zwischen den hellen Sandstein- und Marmorfassaden der historsichen Gebäude kommt das Audi Mysticblau Perleffekt richtig überzeugend zur Geltung. Ob vor Prachtbauten am Arc de Triomphe oder in einer Seitenstrasse vom Sacré-Cœur – unsere RS3 Limousine fühlt sich überall wohl und zieht Blicke auf sich. Wie ein ruhiges Klavierkonzert von Mozart reflektieren die Lichter der Großstadt in Harmonie an den breiten Kotflügeln und Mattchromelementen der Karosse. Zugegeben, viel hat sich äußerlich nicht zum Urmodell der Audi A3 Serie getan.

Trotz etlicher Modellpflegen und der RS-Variante erkennt man immer noch die Ursprünge des 8P von 2003. Natürlich haben neuste Matrix LED Scheinwerfer sowie das Virtual Cockpit im Armaturenbrett die klassischen Instrumente ersetzt. Irgendwie bleibt aber trotzdem der fade Beigeschmack bestehen, dass Audi so versucht nach 15 Jahren nochmal das Letzte aus der Bodengruppe raus zu holen. In erster Linie steht RS jedoch für Rennsport, und das macht sich primär durch die Fahrleistungen als die Optik bemerkbar. Also zurück ans Steuer und die Nacht zum Tag machen!

Eine Affaire oder doch die Liebe des Lebens?

Auffällig platziert – der rote Startknopf direkt am Lenkrad, er alleine erweckt das Biest zum Leben. Quittiert wird das Drücken des Buttons zuverlässig mit einem aggressiven Schrei nach Aufmerksamkeit. Wer sich nach einem One-Night-Stand unauffällig aus dem Staub machen will, sollte sich ein anderes Auto suchen. Zurückhaltung? Fehlanzeige! Jedes der 400 Pferdchen unter der Haube macht sich bereit gleich durchzugehen. Da lädt die leere 6-spurige Champs-Élysées förmlich zur Testfahrt ein.

Weg vom sportlichen Automatikmodus rein in die Handgerissene Schaltung am Lenkrad. Das 7-Gang DSG reagiert schnell und sauber, ja beinahe unspektakulär. Verfehlte Schaltvorgänge verzeiht das Aggregat ebenfalls souverän, denn die 480 NM stehen zwischen 1.700 u/min und 5.585 u/min nahezu über das gesamte Drehzahlband zur freien Verfügung. In knapp über 4 Sekunden sprintet der 1.590 kg schwere Ingolstädter auf 100 km/h. Schneller als einem manchmal lieb ist. Schluss ist bei 250km/h, optional gegen Aufpreis erst bei 280km/h. Damit fährt der Audi RS3 seiner Konkurrenz, wie dem Mercedes-Benz A45 AMG, zumindest laut Zahlen weg.

Emotionen stehen aber bei Sportwagen weit oben auf der Liste, und hier gibt es beim RS3 wohl den größten Knackpunkt. Der perfekt abgestimmte Allradantrieb unterbindet konsequent jegliches Fahrverhalten jenseits der Vernunftsgrenze. Auch sonst macht der kleine Kompakte mit typisch deutscher Ordentlichkeit alles nahezu perfekt. Hier hätten wir uns etwas mehr Mut und Temperament gewünscht, ob es dabei so viel wie bei der Alfa-Romeo Giulia Quadrifoglio sein muss bleibt dahingestellt. Auf der anderen Seite ist eben nicht auf jeden Allradantrieb verlass, auf quattro eben schon!

Kompakt, langstreckentauglich, elegant

So rotzfrech sich der Audi RS3 auch beim Starten gibt, so gelassener verhält er sich im Grenzbereich. Zu harmonisch und ausgewogen, zu wenig Diva. Keine Frage, optisch schafft es Audi mit den RS-Modellen immer die perfekte Mischung aus Auffälligkeit und Understatement zu erzielen. Aber wer ständig versucht alles gut hinzubekommen sticht nirgendwo besonders hervor. Vielleicht will er auch gar nicht zu dick auftragen, denn aufdringliche Poser-Modelle gibt es genug am Markt; Audi hegt und pflegt die Nische mit akribischer Sorgfalt einen Zwitter aus reinrassigem Sportwagen und Gran Tourer anzubieten. Wir hätten uns jedoch schon etwas mehr Charakter gewünscht. Etwas Neues, was nicht nur alle Erwartungen zur Zufriedenheit erfüllt, sondern uns mit etwas Neuem überrascht. Für alle, die aber eine sportliche kompakte Limousine mit ausreichend Understatement für den Alltag suchen, wird der Audi RS3 der perfekte Wegbegleiter sein. Denn spätestens beim Drücken des Start-Knopfes zaubert er jedem ein Lächeln ins Gesicht.