Raues Wetter, entlegene Locations, guter Whiskey und Schafe. Das ist Schottland. Das sind die Highlands, wo man das Röhren und Gröhlen tief aus dem Abgaskrümmer noch etliche Kilometer entfernt durch das Gebirge schallen hört. Was nach einem Roadtrip klingt ist viel mehr die Suche nach dem schwarzen Schaf inmitten der üppigen Natur im Norden Großbritanniens. Gran Tourer hin oder her – damit geht jeder auf Reise. Warum aber nicht gleich mit einer Oberklasse-Limousine. Mehr als zwei Meter Radstand. 5,30 m Überlänge. Gepäck für zehn Tage. Der ultimative Test, ob der Mercedes S-Klasse Konkurrent Cadillac CT6 eben nicht nur optisch gut abschneidet.

8 Tage. 3.750 km – Der Schottland Roadtrip.

Die gewaltige, unvorstellbar schöne Natur Schottlands mit ihren unberührten Flecken im Norden wird uns komplett vereinnahmen. Sie ist Schauplatz für ein Kräftemessen ganz anderer Relationen. Gewaltige Pferdestärken gegen heftige Stürme. Ein Stakkato des Orchesters aus mechanischen und hydraulischen Teilen im Motor versucht den peitschende Regen zu übertönen. So hoffen wir. Was wirklich passiert, das schreibt nur die Geschichte. Das Schreiben wir hier in unserem Schottland Roadtrip-Tagebuch, unserem Roadlog, und demnächst in einem gewaltigen Feature.

Hier werden wir euch täglich mit Updates über den Verlauf unserer Reise auf dem Laufenden halten.

Edinburgh

Nach knapp 1200 km Fahrt, die trotz eines Blizzards, der uns noch in York an der Sinnhaftigkeit den gesamten Trip fortzusetzen hat zweifeln lassen, meinte Petrus es gut. Schottlands Hauptstadt erreichten wir am frühen Sonntagmittag. Etwas Schnee und Niederschlag trugen zum urigen Feeling bei, welches die mit Kopfsteinpflaster bedeckten Straßen ausstrahlen. Es war viel los am Wochenende des St. Patrick’s Day. Leider machte dies einige Sights und Straßen unzugänglich. Doch auf der Suche nach der Shooting-Location für unser erstes Set mit dem Cadillac CT6 wurden wir dann ganz in der Nähe der Victoria Street belohnt. Mehr Glück als Verstand, denn die kleine Taverne namens „Tolbooth Tavern“, vor der wir auf der „The Royal Mile“ hielten, ist eine der ältesten Ausschänke der Stadt. Damit strahlt sie tatsächlich ähnliches Charme aus wie die bekannten Kneipen am Gras Market.

Für André, die persische Version von Robert Downey Jr. mit italienischem Modegeschmack, die perfekte Gelegenheit seinen instagram-Feed mal wieder aufzupimpen. Er versuchte sich als Model. Und das machte er sogar recht gut. Obwohl wir ihn mit seinen Mädchenallüren eher zusammen mit unserem Roadtrip-Maskottchen Shaun, dem Schaf, auf eine Ebene stellten.

Den Abend ließen wir noch voll, voller in der ältesten Kneipen Edinburgh’s – The Last Drop – ausklingen. Ein makaberes Detail: der Name rührt daher, dass damals unmittelbar vor dem Gebäude der Galgen aufgestellt wurde, wo Straftäter gehangen wurden. Das älteste Bauelement datiert hier auf 1684 zurück. Ein gutes Argument sich also hier dann doch aus dem Staub zu machen…

Welcome to the Highlands

Mit seinem malerischen Hafen ist Stonehaven ein echter Geheimtipp, denn die meisten Touris verpassen diese Idylle; sind auf der Durchreise zum Dunnottar Castle. Anders als die zugeparkte bunte Häuserfassade in Portree, herrscht hier völlige Ruhe. Etwas eingeschlafen und verträumt wirkt das kleine Städtchen. Jedoch blieb uns nicht viel Zeit, denn das frühe Aufstehen in Edinburgh zeigte deutlich, dass wir morgens eher Mädchen im Bad als gestandene Männer sind. So wurde sich natürlich auch über die nassen Böen direkt am Meer beschwert. Aber das ist nun mal alles Konditionierungssache. Gib einer Frau die richtige Kleidung und sie wird zur Prinzessin oder in unserem Fall eben ein richtiger Mann. Zumindest was die Optik angeht: Holzfällerhemd und Bundeswehrstiefel vermitteln den vermeidlichen Eindruck von Kompetenz und Sachverstand, in dem, was wir hier machen.Stonehaven Hafen Stadt

Against all odds, there is sunshine in the Scottish Highlands.

Weiter führte uns der Weg unmittelbar durch die Speyside, wo fast alle namhaften Whiskey Destillerien in Schottland ansässig sind, direkt in das Herz der Highlands. Der Weg ist das Ziel, aber geographisch waren wir schon angekommen. Und wurden nicht enttäuscht! Der Cadillac CT6 fing an einige Höhenmeter zu machen, die Flora und Fauna änderte sich ab jetzt im Kilometertakt. Ein wenig erinnert uns das ganze an Kalifornien, Vermont oder British Colombia – eine Reise durch Land und Zeit. 4 Jahreszeiten in nur 2 Stunden erleben ist hier – und nur hier – möglich! Wir sind völlig geflasht von Schottland nach nur 3 Tagen.

Nach anfänglichem Regen klarte der Himmel auf während wir immer mehr Höhenluft inhalieren durften und mit uns der 417 PS Twinturbo V6. Mehr Sauerstoff mehr Leistung. Bestleistung. Auch für die Drohne, die nun auf 1309 Meter über dem Meeresspiegel auf dem Ben Macdhui im Cairngorms National Park den Starkwinden entgegen trotzen musste. Zwischen Schneelandschaften, die der Eiszeit entspringen könnten und atemberaubenden Sonnenuntergängen auf Berggipfeln realisiert man, dass Schottland ein buntes Kaleidoskop von unterschiedlichen Mini-Biotopen und Jahreszeiten ist.

Applecross Pass

Eiserne Roadtrip-Grundregel: Wählt niemals die schnellste Route von A nach B. In den Highlands von Schottland sowieso kein Problem, schließlich existieren hier keine Autobahnen mehr. Auch keine zweispurigen Straßen. Unsere Route verläuft über Single Track Roads. Only. Das schlägt sich auch in den Wegezeiten nieder. Denn für 30 Meilen brauchst du nun mal eben 60 Minuten! Auch wenn die Schotten ausweisen, dass ein Speedlimit von 60 MPH herrscht, sind die Straßen zum Teil lediglich mit 20 MPH befahrbar! Wir sagen euch das, weil wir a) keine Kenntnis über die uneinsehbaren Straßen und deren Tücken haben b) noch nicht einmal wesentlich schneller unterwegs sein könnten, da wir alle bestens mit Fahrphysik durch unsere unzähligen Runden auf der Nordschleife vertraut sind.

Der Apple Cross Pass wurde uns von einem Freund empfohlen. Alleine dafür könnte ich Sven abknutschen! Die Küsten-Route entlang der westlichen Halbinsel der Highlands IST die schönste Tour überhaupt! Auf knapp 12 Meilen erlebt ihr alles. Highland Cattle (Highland Kuh), vor denen ich geflüchtet bin, Schafherdenwanderungen quer über die Bergstraßen und traumhafte Longboardstrecken, die aus dem Film „The Life of Walter Mitty“ hätten geklaut sein können. (Strathcarron – Arrina)

Wer davon genauso wenig wie wir genug bekommen kann, der wird das Tal „Achnasheen“ erst recht lieben. Mit den geschlängelten S-Kurven, die direkt zum Loch A’Chroisg führen, gibt das Valley einen Vorgeschmack darauf, wie Glen Etive auszusehen vermag. Doch bevor wir diesen Vergleich ziehen können, wird es uns noch auf die Isle of Skye verschlagen. Raues Wetter soll es laut den Schotten wenn nur hier geben 😛

Isle of Skye

Sie war das eigentliche Ziel unseres Trips. Zu deutsch übersetzt: „Insel des Nebels“. Wie bereits das Foto des letzten Abschnitts verdeutlicht, wurden wir nicht enttäuscht. Die zerklüftete Landschaft von Skye eingetaucht in dichten Nebel hat etwas unheimlich, magisches. Unscheinbar, uneinsehbare Fischerdörfer umrahmt von Felswänden und Kliffs wechseln sich mit Burgruinen und Berglandschaften ab. Kein einziger Roman kann annährend vermitteln, wie unwirklich, surreal die Erfahrung ist im Nebel zu versinken während man auf dem weichen, satt grünen Boden steht und irgendwo in 150 Metern Entfernung ein „Mäh“ eines Schafes vernimmt. Über die Skye Road Bridge ist die größte Insel der Inneren Herbriden mitder Nordwestküste Schottlands verbunden. Wie durch ein Portal begibt man sich in eine andere Welt, die vor allem durch eines dominiert: Starkregen und Orkanböen.

Schafe Landschaft Bach Wasserfall Nebel

Neist Point

So war unser Ausflug zum westlichsten Punkt der Insel, Neist Point, wortwörtlich ein kompletter Fall ins Wasser. Zumindest für mich, denn ich hab mich tatsächlich auf’s Maul gelegt. Zur Freude aller. Vor Ort mussten wir feststellen, dass wir beim nächsten Sale im Outlet bei The North Face definitiv hunderte von Euro für wasserdichte Klamotten hinblättern werden, denn nasstriefende Jeans, Schuhe in denen das Wasser steht und in Müllbeutel gehülltes Kameraequipment ließen uns wieder einmal an unsere vorab getroffenen Entscheidungen über das mitgenommene Gepäck zweifeln.

Kein schöner Tag für uns also, aber ein ganz hervorragender für euch. Denn obwohl der Leuchtturm auf Neist Point nicht mehr in Betrieb ist, können wir euch diese einmaligen Aufnahmen einer völlig abgeschiedenen Landschaft zeigen.

Quiraing und Old Man of Storr

Weiter ging es auf den Quiraing, der uns ein grandioses Panorama auf die Staffin Bay bot. Dem Kilt Rock, einem direkt in den Atlantik fließenden Wasserfall, statteten wir ebenfalls einen Besuch ab. Dabei wollte mein iPhone gefährlich nahe den Filmtitel „Vom Winde verweht“ Leben einhauchen… Schnell weg da. Keine 5 Kilometer entfernt findet sich der Old Man of Storr – eine Felsformation, die wie vom Wind geschliffen wirkt. Der Aufstieg lohnt sich nicht, die Ansicht von der Ferne bzw. von unten ist wesentlich schöner als von oben!

Sonnenuntergang Auto Straße

Am besten in eine der bekannten Whiskey Destillen. Zum Beispiel nach Carbost zu Talisker, der einzigen Single-Malt-Whiskey-Destillerie auf Skye. Neben der großen historischen Bedeutung der Whiskey-Brennerei auf Schottland, insbesondere auf Skye, lernt man auch viel über die Wirtschaft Schottlands und die besondere Bedeutung der Häfen und dem Importhandel. Kleines unnützes Allgemeinwissen für den Telefonjoker bei „Wer wird Millionär“: bei Talisker lagert auch Johnnie Walker, welcher lediglich eine Handelsmarke ist.

Glenfinnan Viaduct

Das letzte Leg unserer Tour führte uns über Fort William direkt vorbei an das weltbekannte Glenfinnan Viadukt. Bekanntheit erlangte das bis zu 30 Meter hohe Eisenbahnviadukt vor allem durch die Filmszenen von Harry Potter in denen der Touristensonderzug „The Jacobite“ mit einer Dampflokomotive als Hogwarts Express zu sehen ist. Anders als man vermuten mag, versteckt sich die Betoneisenbahnbrücke in einem Tal etwas abseits der Straße. Zudem ist das Glenfinnan Viaduct deutlich kleiner als man durch Teleaufnahmen und Hintergrundkompression annimmt. Weiter wurde vor allem in den Harry Potter Filmen mit einer großen Telebrennweite gearbeitet, damit die Krümmung der fast 90° Kurve wesentlich spektakulärer und enger wirkt.

Nichtsdestotrotz lohnt sich der Ausflug alleine wegen der prächtigen Wanderwege quer durch die Wälder. Allen voran wenn man dann noch eine Drohne in die Luft schickt, die zweifelsohne die beste Aussicht und interessantesten Perspektiven auf dieses Bauwerk preisgibt.

Glen Etive

Endlich auf den Spuren von James Bond! James Bond: Skyfall wurde unter anderem wie auch Highlander in Glen Coe gedreht. Neben der Hauptstraße, der A82, die Fort William mit Glen Coe verbindet, wurde allerdings besonders eine Landstraße berühmt. Die knapp 18 km lange, unbefestigte Straße, entlang derer sich mehrere Wasserströme und -quellen zu einem Fluss bündeln. Eben an diesem halten im Film Daniel Craig als James Bond und Judi Dench als „M“ mit dem Aston Martin DB5.

Glen Etive erlangte in jüngster Zeit tragischerweise durch die Vermüllung der Landschaft Bekanntheit. Mittlerweile wurde das Tal zu einem Naturschutzgebiet erklärt in dem wieder ambitioniert aufgeforstet wird, wodurch der Fauna ein Lebensraum geboten wird. Gerade die Begegnung mit sonst scheuen Wildtieren macht Glen Etive zu einem echten Highlight. Daneben herrschen hier durch die schnellfließende Strömung des Flusses extrem gute Rafting-Bedingungen, die vor allem in den Sommermonaten ausgenutzt werden müssen. Ein kleines Hotel und eine Lodge bieten sich als Ausflugsbasis an. Ab der Mündung des Loch Etive geht es auch nur noch zu Fuß voran.

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